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zur Pressemitteilung vom 1.2.2004
Internationale Zellstoffkonzerne zerstören Urwälder für die Papierproduktion
Januar 2004
Hintergrundinformation
Papier zerstört Wälder - Recyclingpapier nicht
Aktionstage während der Paperworld
In Deutschland werden jährlich 230 kg Papier pro Kopf verbraucht, weltweit sind es rund 50 kg/Kopf. Und bei unseren osteuropäischen Nachbarn sind es sogar nur etwa 30 kg/Kopf. Der Rohstoff für das in Deutschland verbrauchte Papier wächst nur zu einem Bruchteil hier in unseren eigenen deutschen Wäldern. Wir verschwenden die Holz- und damit die Waldressourcen anderer Länder. Papierproduktion und Papierverbrauch sind weit davon entfernt, nachhaltig zu sein.
Nordische Wälder
Das Papier, was wir hier in Deutschland verbrauchen, wächst zu zwei Dritteln in den nordischen Wäldern, vor allem in Finnland, Schweden und Kanada. Aber auch aus Russland kommen große Mengen über Finnland und Schweden zu uns.
In Kanada vor allem, aber auch in Russland und Skandinavien werden noch immer Urwälder eingeschlagen und zu Zellstoff verarbeitet.
Kanada
- Zellstoff ist mit Urwaldzerstörung und Landrechtsverletzungen behaftet
- Rund 20 % unserer Zellstoffimporte stammen aus Kanada, wo in rund 90% der Einschläge Urwälder zerstört und die Landrechte indianischer Völker missachtet werden.
Der ganz Kanada durchziehende Waldgürtel aus den borealen (nordischen) Wäldern und dem Küstenregenwald im Westen Kanadas gehören zu den größten Urwaldgebieten der Erde. Etwa 20 % des weltweiten Süßwasservorkommens befinden sich allein in dieser Region. Diese Wälder sind Heimat zahlreicher indianischen Völker (First Nation), für deren Lebensgrundlage und Kultur diese Urwälder unverzichtbar sind. Fischfang und Jagd sind eng mit dieser natürlichen Waldlandschaft verknüpft.
In dem Umgang mit der Urbevölkerung ist die fortschrittliche Industrienation Kanada nicht weit von Christoph Kolumbus' Zeiten entfernt. Denn obwohl den indianischen Völkern in der kanadischen Verfassung das Recht auf ihr Land zugesichert ist, solange keine Landabtretungsverträge unterschrieben wurden, verkauft die Regierung hier Holznutzungslizenzen an internationale Konzerne. In Britisch Kolumbien, Kanadas westlichster Provinz, haben die meisten indianischen Völker noch nie einen Vertrag mit der Regierung unterschrieben. Dennoch werden gerade hier die weltweit einmaligen Küstenregenwälder von den Konzernen geplündert. Das indianischen Land wird ausgebeutet.
In Kanada befinden sich etwa 10 % der Waldfläche der Erde (417,6 Millionen Hektar). Für über die Hälfte der borealen Wälder sind bereits Konzessionen für die Nutzung vergeben. Nur drei Prozent sind derzeit vor industriellen Eingriffen geschützt. Ein Dutzend Firmen kontrollieren etwa die Hälfte des kommerziell genutzten kanadischen Waldes. Obwohl sich das offizielle Kanada einer vorbildlichen Forstwirtschaft rühmt, ist in den meisten Fällen der Kahlschlag noch immer die Einschlagsmethode der Wahl.
Kanada ist mit 27 % der Welt-Zellstoffproduktion (im Jahr 2000) größter Exporteur an Holzprodukten weltweit. Rund 6 % der Zellstoffexporte Kanadas gehen nach Deutschland.
Für Nachfragen:
Lydia Bartz, urgewald e.V. Tel.: 02583.1031; E-Mail: lydia@urgewald.de; Internet: www.urgewald.de
Skandinavien
Etwa fünf Prozent der skandinavischen Wälder sind noch in einem urwaldartigen Zustand erhalten. Doch selbst diese wenigen Überbleibsel sind noch längst nicht alle geschützt. Holz aus diesen ursprünglichen Wäldern landet noch immer ganz legal in unserem Papier. Besonders gering sind die Schutzbemühungen in Norwegen. Dort sind heute gerade mal etwa ein Prozent der produktiven Wälder geschützt, während es in Schweden und Finnland immerhin schon 3,5 % sind. Weder das Zertifikat Nordischer Schwan' noch die Forstindustriezertifikate unter dem Logo des PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) schließen die Zerstörung dieser ungeschützten skandinavischen Urwaldgebiete aus!
Russland
Aus Russland kommen zwar nur vergleichsweise geringe Mengen an Zellstoff direkt nach Deutschland. Aber mehr als ein Drittel des gesamten russischen Rohholzexportes geht allein nach Finnland und Schweden. Finnland ist mittlerweile weltweit der größte Importeur russischen Holzes. Das nach Skandinavien gehende Holz stammt überwiegend aus dem europäischen Teil der russischen Taiga, wo die größten noch erhaltenen Urwaldgebiete Europas zu finden sind nur ein Bruchteil davon ist vor industrieller Nutzung geschützt.
Für Nachfragen:
Rudolf Fenner, Waldreferat ROBIN WOOD, Tel.: 040.380 892.11; wald@robinwood.de
Tropische Wälder
Auch aus den Tropen kommt immer mehr Zellstoff in unsere Papiermühlen. Brasilien ist bereits der fünftgrößte Importeur. Der Zellstoff wird aus horizontweiten Eukalyptusplantagen gewonnen, die nach den Rodungen vor allem des Küstenregenwaldes dort hochgezogen wurden. Und auch aus Indonesien kommen immer mehr Zellstoff und Papier nach Deutschland. Hier vor allem auf Sumatra, künftig aber auch auf Borneo (Kalimantan) wird sogar der Urwald gerodet, um daraus Papier zu machen. Auf diesen beiden Insel befinden sich die allerletzten Lebensräume des Orang Utans und die sind nun durch die Waldrodungen akut bedroht.
Die Papierindustrie Indonesiens: Waldzerstörung und Menschenrechtsverletzungen
Wie die Papierindustrie die Tropenwälder vernichtet, wird am Beispiel Indonesiens deutlich.
Der Zellstoff- und Papierboom stellt eine ökologische, soziale und ökonomische Katastrophe für das Land dar. Zwischen 1988 und 2000 wurden in Indonesien etwa 120 Mio m3 Holz zu Zellstoff verarbeitet, davon kamen ca. 90 % aus Naturwäldern. Dies führte dazu, dass die Fläche des Tieflandregenwaldes auf Sumatra in nur zwölf Jahren um 60 % schrumpfte. Laut Weltbank wird er bereits in wenigen Jahren verschwunden sein. Für Indonesien insgesamt wird inzwischen geschätzt, dass der jährliche Holzbedarf der Industrie um ein Zehnfaches größer ist als der Zuwachs. Neue Zellstoffwerke sind in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos, in der Planung. Für diese Region rechnet die Weltbank mit dem Aus für den Regenwald im Jahr 2010.
Insbesondere die Hersteller Asia Pulp & Paper (APP) und Asia Pacific Resources International (APRIL) sind mit großen Zellstoffwerken auf Sumatra maßgeblich an der Zerstörung der letzten Wälder Indonesiens beteiligt.
Der Boom in der indonesischen Papierindustrie ist mit ausländischem Kapital zustande gekommen. Mit der Aussicht auf schnellen Gewinn investierten in den 90er Jahren Banken und Finanzinstitute mehr als 15 Milliarden Dollar in diesen Sektor. Aufgrund des billigen Holzrohstoffs aus den Naturwäldern werden konkurrenzlos günstig Zellstoff und Papier produziert, was zu sinkenden Weltmarktpreisen geführt hat. Jetzt müssen die Konzerne noch mehr produzieren, um ihre Kredite zu bezahlen. Die Industrie wurde auch von deutschen Banken finanziert, darunter die Dresdner Bank, die Commerzbank sowie die Deutsche Bank. Durch die Zellstoffkonzerne werden Einheimische ohne Landtitel vertrieben und Wasser, Boden und Luft mit Schadstoffen belastet. Die Menschen verlieren ihr Land und damit ihre Lebensgrundlage.
Weitere Informationen erhalten sie im Internet: www.robinwood.de/urwaldpapier oder bei Peter Gerhard, Referat Tropenwald, Tel. 040.380 892.18, tropenwald@robinwood.de
zur Pressemitteilung vom 1.2.2004
Internationale Zellstoffkonzerne zerstören Urwälder für die Papierproduktion
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