Hamburg, Helsinki, London, Pekanbaru, 19.4.2006
Redaktion: Internationales / Wirtschaft
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Sumatras Torfwälder in Gefahr
Papierindustrie bedroht einzigartiges Ökosystem in Indonesien /
Umweltschützer befürchten Rückschlag für weltweiten Klimaschutz
ROBIN WOOD warnt gemeinsam mit den Umweltorganisationen Jikalahari, CAPPA
und Friends of the Earth Indonesien, Finnland und Großbritannien vor der
Zerstörung eines der größten Torfwaldgebiete der Welt in der indonesischen
Provinz Riau. Es ist bedroht durch die Papierindustrie, die dort Holz
einschlägt und Wälder in Plantagen umwandelt.
Während die Tieflandwälder auf der indonesischen Insel Sumatra inzwischen
fast vollständig zerstört sind, ist die Kampar-Halbinsel in der Provinz
Riau noch von rund 400.000 Hektar Torfwald bedeckt. Die Torfwälder bieten
Lebensraum für vom Aussterben bedrohte Arten wie den Sumatra-Tiger.
Holzeinschlag und Kahlschlag von Torfwald führen zu erheblichen
Kohlendioxid-Emissionen, die alle Anstrengungen zunichte machen könnten,
den Klimawandel aufzuhalten. Dennoch werden die Wälder in Riau ungebremst
vernichtet, vor allem um die Nachfrage der Papier- und Zellstoffwerke von
APP und APRIL zu decken. Gemeinsam haben die beiden international
agierenden Zellstoffkonzerne bereits mehr als eine Million Hektar
Regenwald zerstört, um ihren Rohstoffbedarf zu decken und Akazienplantagen
anzulegen. In den vergangenen zwei Jahren hat APRIL rund 50.000 Hektar
Torfwald in der Pelalawan-Konzession zerstört und eine Straße zur
Erschließung der Kampar-Halbinsel gebaut.
Der Wald auf der Halbinsel wächst auf einer Torfschicht von mehr als drei
Metern Tiefe. Solche Wälder stehen in Indonesien unter gesetzlichem
Schutz. Eingriffe in diese Wälder führen zu Austrocknung und Zersetzung
des Torfs und erhöhen die Brandgefahr. Außerdem verschlimmert der
freiwerdende Kohlenstoff den Klimawandel erheblich. Die in den Torfwäldern
der Provinz Riau gespeicherte Kohlenstoffmenge entspricht den Emissionen
aus dem weltweiten Einsatz fossiler Brennstoffe in einem vollen Jahr.
Eine Studie der Firma ProForest, die von APRIL beauftragt wurde, die
ökologischen Auswirkungen der Umwandlung von Wald in Plantagen auf der
Halbinsel einzuschätzen, kommt zu dem Ergebnis, dass der Konzern den
Wasserhaushalt des Torfwaldes bereits durch Eingriffe zur Erschließung und
Entwässerung beschädigt hat. Die bereits erfolgten Erschließungsmaßnahmen
in Verbindung mit weiteren Eingriffen könnten zum Kollaps des gesamten
Ökosystems führen.
"Der Torfwald auf der Kampar-Halbinsel muss vor weiteren Eingriffen durch
Holzfäller und Industrie geschützt werden", sagt Rully Syumanda,
Wald-Experte von Friends of the Earth Indonesia. "Die Halbinsel sollte
unter Beteiligung der lokalen Bevölkerung zum Schutzgebiet erklärt
werden." Diese Ansicht teilt auch die indonesische Organisation Jikalahari
und hat die Kampar-Halbinsel aufgrund ihrer kulturellen und ökologischen
Bedeutung sowie der Wichtigkeit für den Klimaschutz im Dezember 2005 als
Nationalpark vorgeschlagen.
Die Umweltorganisationen fordern die Einstellung des Kahlschlags im
Regenwald durch die Papierindustrie. "Solange APRIL und APP Regenwald
zerstören, sollten Geschäftspartner, Regierungen und
Nichtregierungsorganisationen ihre Beziehungen mit dem Unternehmen auf Eis
legen", sagt Jens Wieting, ROBIN WOOD-Tropenwaldexperte. ROBIN WOOD hat
bereits erreicht, dass Karstadt, die Metro-Gruppe sowie McPaper und
Deutsche Post Papier von APRIL aus dem Sortiment genommen haben. Andere
Unternehmen wie der Großhändler Papier Union beziehen hingegen - trotz
öffentlicher Proteste - weiterhin Papier von APRIL.
Für Rückfragen:
Jens Wieting / Peter Gerhardt, Tropenwaldreferat, Tel. 040 / 380 892 18, tropenwald@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Aktuelle Hintergrund-Informationen unter: www.robinwood.de/sumatra