Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.
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Zusammenfassung der Fern [1] -Studie

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An environmental and social assessment of forest certification schemes

Die Studie analysiert die vier weltweit größten Zertifizierungssysteme im Forstsektor:

  • den weltweit geltenden FSC (Forest Stewardship Council),
  • die nordamerikanische SFI (Sustainable Forestry Initiative),
  • die kanadische CSA (Canadian Standards Association's Sustainable Forest Management Standard)
  • und den europäischen PEFC (Pan-European Forest Certification).
Die Studie basiert auf insgesamt sechs Länderberichten, die die aktuelle Zertifizierungssituation in den USA, Kanada, Schweden, Finnland, Deutschland und Frankreich darstellen. Die Berichte wurden – im Auftrag von Fern - von AutorInnen verfasst, die durch ihre Arbeit innerhalb von Umweltorganisationen mit der Forstzertifizierung in ihrem Land eng vertraut sind. Beteiligt waren neben Fern der WWF Frankreich, Taiga Consulting, Taiga Rescue Network, Robin Wood, National Resources Defense Council, Finnish Nature League und Greenpeace International . Alle diese Länderberichte wurden von verantwortlichen VertreterInnen der jeweils beschriebenen Zertifizierungssysteme auf Korrektheit der dargestellten Fakten gegengelesen.

Die Beurteilung erfolgte anhand von insgesamt zwölf Kriterien, die auch die Anforderungen von Regierungen und Unternehmen an eine glaubwürdige, ökologisch und sozial gerechte Zertifizierung widerspiegeln. Diese Kriterien richten sich nach den Empfehlungen des Intergovernmental Panel on Forests (IPF) und des International Forest Industry Round Table (IFIR):

  • Beteiligung eines breiten Spektrums von Interessengruppen und Ausgewogenheit der Mitbestimmung bei der Standardentwicklung
  • Qualität der Standards anhand von klar umrissenen Vorgaben vor allem im ökologischen und sozialen Bereich
  • Anwendbarkeit für alle Betriebsgrößen und Besitzformen
  • Vorrang der Zertifizierung auf Betriebsebene vor regionalen oder nationalen Konzepten
  • Freiwilligkeit der Teilnahme an der Zertifizierung und Kostenminimierung
  • Selbstverpflichtung der Betriebe auf eine kontinuierliche Verbesserung ihrer Forstpraxis
  • Unabhängigkeit der Überprüfung und Qualität der Kontrollmechanismen
  • Transparenz und hohe Qualitätsanforderungen bei der Akkreditierung von Zertifizierungsunternehmen
  • Wiederholbarkeit und Konsistenz der Zertifizierung
  • Nachvollziehbarkeit der Handels- und Produktionskette bis zum gekennzeichneten Produkt
  • Umfassende Transparenz für Beteiligte und Öffentlichkeit
  • Transparenz und Effektivität eines Beschwerdeverfahrens

Beschreibung und Bewertung der einzelnen Zertifizierungssysteme :

Sustainable Forestry Initiative / SFI :

Programm zur Verbesserung der Forstpraxis, das Anfang 1995 vom US-amerikanischen Handelsverband der Forst- und Papierindustrie American Forest & Paper Association (AF&PA) ins Leben gerufen wurde. Eine unabhängige Zertifizierung ist seit Juli 2000 möglich. Eine Produktkennzeichnung soll noch in diesem Jahr angeboten werden.

Fern konstatiert zwar, dass die SFI bei den Mitgliedern des AF&PA-Verbandes zu einigen Verbesserungen beim Forstmanagement geführt hat, doch es bestehen folgende gravierende Defizite:

  • Ökologische Standards sind unscharf formuliert, flexibel für die jeweiligen Ziele eines Waldbesitzers und ohne zeitliche Vorgaben, wann die selbst gesteckten Ziele erreicht sein müssen.
  • Soziale Belange werden nicht berücksichtigt.
  • Großkahlschläge in Primärwaldgebieten und Einschläge auf indigenem Land ohne Zustimmung der indigenen Bevölkerung sind zertifizierbar.
    Beispiel: Die Forstpraxis des Unternehmens Interfor, das wegen seiner zerstörerischen Einschläge im kanadischen Küstenregenwald lokalen, regionalen und auch internationalen Protest hervorgerufen hat, ist im Dezember 2000 von der SFI als ‚nachhaltig' anerkannt worden.
  • Unzureichende Kontrollen; Überprüfung wichtiger Indikatoren finden in den Büros, nicht im Wald statt; Jährliche Kontrollen sind nicht vorgeschrieben.
  • Der SFI ist von industriellen Interessen geleitet. Soziale und ökologische Interessengruppen haben weder innerhalb der Organisation des SFI noch bei der Entwicklung der Standards gleichgewichtige Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Canadian Standards Association's Sustainable Forest Management Standard / CSA:

Auf Initiative mehrerer Verbände der kanadischen Forstindustrie wurden Richtlinien für die Forstpraxis entwickelt, die 1996 vom Standards Council of Canada als nationaler Standard für die Forstwirtschaft anerkannt wurden. Es gibt bislang kein Zertifikat. Allerdings bemüht sich die CSA um die Anerkennung ihres Standards durch den PEFC noch in diesem Jahr.

Es bestehen folgende gravierende Defizite:

  • Der Zertifizierungsstandard ist überwiegend auf das Management der Forstbewirtschaftung ausgerichtet und weniger auf die Auswirkungen der Forstpraxis auf die Umwelt
  • Die forstlichen Standards sind unscharf formuliert. Konkrete Ziele werden vom jeweiligen Unternehmen selbst festgelegt.
  • Kahlschläge sind auch in besonders schutzwürdigen Waldbeständen möglich; Einschläge auf indigenem Gebiet ohne Zustimmung der indigenen Bevölkerung sind zertifizierbar.
  • Es besteht zwar die Verpflichtung zur Konsultation der Öffentlichkeit, allerdings ohne jegliche bindende Konsequenz.

Pan European Forest Certification / PEFC:

Wurde im Juni 1999 als unmittelbare Reaktion auf den FSC-Prozess in Europa gegründet, der nach Ansicht von Waldbesitzerverbänden und anderen forstwirtschaftlichen Interessengruppen nicht die Interessen des kleinen Privatwaldbesitzes berücksichtigen würde und von ökologischen und sozialen Interessengruppen dominiert sei. Im Rahmen des europäischen PEFC sind bislang fünf nationale, sehr unterschiedliche PEFC-Systeme entwickelt und anerkannt worden. Gemeinsamer, aber nicht verbindlicher Rahmen für die Zertifizierungsstandards sind die von europäischen Forstministerien in Helsinki und Lissabon entwickelten Kriterien und Indikatoren für eine nachhaltige Forstwirtschaft. Eine Produktkennzeichnung existiert seit Februar 2000.

Sowohl die organisatorischen Strukturen und die Qualität der entwickelten Standards als auch die Verfahren zur Zertifizierung und Kontrolle variieren bei den einzelnen PEFC-Systemen von Land zu Land erheblich. Entsprechend sind auch die von Fern identifizierten Defizite in den nationalen Systemen unterschiedlich stark ausgeprägt oder kommen nicht in allen Systemen vor. Unter den gravierenden Mängeln seien folgende genannt:

  • Soziale und ökologische Interessengruppen werden zwar an Entscheidungen über strukturelle und inhaltliche Fragen der Zertifizierung beteiligt, aber sie können in allen nationalen PEFC-Systemen immer von ökonomischen Interessengruppen überstimmt werden.
  • Zertifizierungsstandards enthalten kaum klar umrissene Kriterien und Indikatoren. Mindestanforderungen werden nicht genannt (PEFC-Frankreich, PEFC-Deutschland).
  • Traditionelle Rechte der indigenen Bevölkerung wie die Winterweiderechte der schwedischen Saami werden nicht akzeptiert (PEFC-Schweden).
  • Einschläge in den wenigen, noch verbliebenen urwaldähnlichen Beständen (Old-Growth) werden zertifiziert (PEFC-Finnland).
  • Die Vergabe des Zertifikats an Forstbetriebe geschieht lediglich aufgrund einer Selbstverpflichtung ohne vorangehende Kontrolle (PEFC-Deutschland).
  • Die Zertifikatsvergabe ist – außer beim PEFC-Schweden - an eine vorangehende regionale Zertifizierung gebunden, die ohne Vor-Ort-Prüfungen allein auf der Basis vorhandener Dokumente und Daten durchgeführt werden kann (PEFC-Deutschland, PEFC-Frankreich).
  • Waldbesitz und Holz können ohne Zustimmung des Waldbesitzers zertifiziert und vermarktet werden (PEFC-Finnland; eine ähnliche Einschränkung des Prinzips der Freiwilligkeit gilt auch für den von Fern nicht untersuchten PEFC-Österreich: Hier werden die Namen von Waldbesitzern, die nicht an einer PEFC-Zertifizierung teilnehmen wollen, in einer Liste gesammelt und der Holzindustrie mitgeteilt).
  • Kontrollverfahren stellen nicht sicher, dass zertifizierten Betriebe innerhalb der Gültigkeit des Zertifikates (5 Jahre) wenigstens einmal kontrolliert werden (PEFC-Deutschland).

Forest Stewardship Council / FSC:

Wurde 1993 gegründet, um mit global geltenden Prinzipien und Kriterien einen verbindlichen Rahmen für eine umweltgerechte, sozial verträgliche und ökonomisch tragfähige Waldnutzung vorzugeben, innerhalb dessen regionale und nationale Zertifizierungsstandards entwickelt werden können. Der FSC ist darüber hinaus eine Akkreditierungsorganisation für Zertifizierungsunternehmen. Derzeit sind Wälder in 40 Ländern und allen Teilen der Welt zertifiziert. Ein Verfahren zur Produktkennzeichnung existiert.

Vorteile: Der FSC bietet das einzige Wald-Zertifizierungssystem,

  • das weltweit gültige Prinzipien und Kriterien verbindlich vorgibt.
  • das eine paritätische Mitbestimmung von ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessenvertretungen bei allen organisatorischen und inhaltlichen Entscheidungen gewährleistet.
  • dessen Standards klar umrissene Kriterien und Mindestanforderungen enthalten.
  • in dessen Standards die Respektierung von indigenen und von sozialen Rechten, der Verzicht auf Biozideinsatz und genetisch modifizierte Organismen, die Berücksichtigung von besonders schutzwürdigen Waldstandorten und die Herausnahme von Waldflächenanteilen für Schutzzwecke als klar definierte Anforderungen aufgeführt sind.

Kritik: Fern merkt an, dass der FSC seine hohen Maßstäbe wohl nur bei kontinuierlicher Wachsamkeit seiner Mitglieder insbesondere aus den sozialen und ökologischen Bereichen wird halten können. Kritik von Umweltverbänden am FSC betreffen derzeit vor allem die Zertifizierung von Plantagen. Auch die Tatsache, dass der FSC sowohl eine Akkreditierungsorganisation für Zertifizierungsunternehmen ist als auch an der Entwicklung und Anerkennung von Zertifizierungsstandards beteiligt ist, wird als Schwachpunkt genannt. Verbesserungen bei der Kommunikation mit den innerverbandlichen Interessenvertretungen und bei den Zugangsmöglichkeiten kleiner Unternehmen zur Zertifizierung werden für nötig befunden.

Schlussfolgerungen von Fern:

  • Die Aussagen der Zertifzierungssysteme SFI, CSA und PEFC, ihre Zertifikate belegen eine nachhaltige Forstwirtschaft, sind irreführend, da ihre Standards keine oder nur vereinzelte klar definierte, verbindliche und eindeutig überprüfbare Vorgaben enthalten.
  • Die Zertifizierungssysteme SFI, CSA und PEFC sind im sozialen und ökologischen Bereich nicht glaubwürdig, da in allen drei Systemen die Dominanz der ökonomischen Interessen sowohl auf Verbandsebene als auch bei der Standardentwicklung strukturell festgeschrieben ist.
  • Als einziges Zertifizierungssystem erfüllt der FSC weitgehend die in der Studie zugrunde gelegten Bewertungskriterien und bietet damit eine gute Vertrauensbasis für VerbraucherInnen.


Diese Zusammenfassung wurde von Rudolf Fenner/ROBIN WOOD verfasst.


Notes

[Note 1] Fern is an NGO which aims to improve European Union activities in order to achieve: conservation and sustainable management of forests; respect for the rights of forest peoples; greater transparency in EU and to tropical forest countries.

Wer mehr über Fern erfahren will: www.fern.org.